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Ursprünglich war einmal geplant, Deutschland komplett von Süd nach Nord, also
von Oberstdorf bis Flensburg zu durchradeln. Große Teile dieser Strecke hätte
ich allerdings schon von früheren Touren gekannt. Ich bin im Internet immer
wieder auf das sogenannte „Grüne Band" gestoßen. Es handelt sich dabei um
einen Bereich rechts und links der ehemaligen Grenze zwischen der früheren
Bundesrepublik und der DDR, der heute zu weiten Teilen ein Naturschutzgebiet
ist. Die Grenze hatte auf einer Länge von insgesamt 1378 km, schwer befestigt und
gesichert die alte Bundesrepublik von der DDR getrennt und war am Ende so gut
wie unüberwindbar.
Nach der Wiedervereinigung wurden sie vollständig beseitigt und man findet, von
dem einen oder anderen Wachturm abgesehen, im Boden fast nur noch den ehemaligen
Kolonnenweg, eine Betonlochplattenstreifen, auf dem die Grenztruppen der DDR mit
ihren Fahrzeugen die Grenze längs fuhren. Ansonsten hat sich die Natur alles
zurückgeholt.
Zu Fuß kann man vermutlich zum größten Teil tatsächlich entlang der ehemaligen
Grenze, teilweise eben auch auf diesen Betonlochplattenstreifen, die Strecke
abwandern.
Mit dem Fahrrad geht das nicht so wirklich. Zum einen würden einem nach einigen
Kilometern auf dem Betonlochplattenstreifen vermutlich irgendwann sämtliche
Schrauben aus dem Fahrrad springen. Zum anderen ging diese Grenze ohne Rücksicht
auf Geländegegebenheiten speziell in den Mittelgebirgen mit gefühlt bis zu 20 %
Steigung die Berge rauf und runter. Man muss also Kompromisse eingehen und fährt
im Ergebnis mehr oder weniger immer im Zickzack über die ehemalige Grenze.
Ich
habe in Komoot die Tour eines Radlerkollegen gefunden, der die Strecke von der
Ostsee bis zur tschechischen Grenze gefahren ist. Ich habe die Tour dann als
Vorlage genommen, umgedreht und an meine Wünsche und Bedürfnisse angepasst. Man
kann Komoot
nur immer wieder
für seine hervorragende Funktionalität loben.
Man plant die Tour einfach mit Komoot am heimischen Rechner und lädt sie dann
auf sein Handy. Der gesamte Streckenverlauf von
der
tschechischen Grenze
- Travemünde - Lübeck
kann durch entsprechendes Anklicken angesehen werden.
Die reine Tour dauerte vom 30. Mai bis zum 14. Juni 2025 und belief sich auf
insgesamt 1073 km. Auch wenn es keine Alpentour war und die höchsten Punkte nur bei
ca. 700 hm lagen, läpperte es sich bei der hügeligen Landschaft und den beiden
Mittelgebirgen Thüringer Wald und Harz manchmal doch ganz schön. Ich habe
deshalb bei der einen oder anderen Tagesetappe die gefahrenen Höhenmeter
angegeben. (Ja ja, ich weiß schon: Mit E-Bike keine wirklich große Kunst :-)
)
Wer Interesse an meinen anderen, ins Netz gestellten Touren hat, einfach zum
Ende der Seite scrollen.
Einige historische Vorbemerkungen
Es handelte
sich hier um eine Reise in die Zeitgeschichte, d. h. es ging diesmal nicht so
sehr darum interessante Städte oder Landschaften zu bereisen, wenngleich es auch
hier beides gab, sondern vor allem darum, ein bisschen radelnd in die
deutsch-deutsche Geschichte einzutauchen. Ich habe als kleiner Junge nur ca. 20
km entfernt von der „Zonengrenze" (so hieß das damals in den Fünfzigern und
Sechzigern) gelebt, zum Glück auf der westlichen Seite. Einige historische
Erläuterungen seien mir daher ausnahmsweise erlaubt, denn die meisten können mit
dieser Grenze schon aufgrund ihres Geburtsjahrgangs nichts mehr anfangen. Wen es
nicht interessiert, der kann die Vorbemerkungen gerne überspringen.
Deutschland wurde bekanntlich nach dem Krieg in vier Besatzungszonen aufgeteilt.
Aus der amerikanischen, britischen und französischen Zone wurde 1949 die
Bundes-republik Deutschland, aus der sowjetischen Zone im gleichen Jahr kurz
darauf die DDR. Damals herrschte noch Stalin über Osteuropa und drückte dem
gesamten Ostblock, also auch der DDR seinen Stempel auf. Dies bedeutete im
wesentlichen die Diktatur jeweils einer Partei der Arbeiterklasse, hier also der
damaligen SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands), Planwirtschaft,
verstaatlichte Industriebetriebe (VEB, Kombinat) und verstaatlichte landwirtschaftliche
Produktionsgenossenschaften (LPG).
Die Bewohner der DDR merken relativ bald,
dass das angebliche "Neue Deutschland" nur der Austausch einer Diktatur durch die
andere war. Es setzte nach und nach eine Fluchtbewegung aus der DDR ein. Die
anfangs noch von sowjetischen Soldaten bewachte Zonengrenze wurde relativ bald
von militärischen Kräften der DDR, später den Grenztruppen der NVA (Nationale
Volksarmee) bewacht. Es galt ein Schießbefehl. Wer es geschafft
hatte, in Grenznähe zu kommen und versuchte die Grenze zu überwinden musste
damit rechnen erschossen zu werden. Aus einem einfachen Stacheldrahtzaun entlang
der Grenze wurde spätestens mit dem Mauerbau in Berlin 1961 ein doppelter
Stacheldrahtzaun mit dazwischen liegendem Minenfeld und ab Mitte der siebziger
Jahre war die Grenze praktisch dicht. Aus den Stacheldrahtzäunen waren zwei
meterhohe Grenzzäune aus Streckmetallgitter geworden. Das
Streckmetallgitter soll übrigens aus der Bundesrepublik importiert worden sein.
Das dazwischen liegenden Minenfeld war überflüssig geworden. Vorübergehend gab
es dann noch einmal an einem der Zäune parallel zum Zaun installierte
Selbstschutzanlagen, die bei Berührung der Auslösedrähte
scharfkantige Metallsplitter verschossen. Als die damalige Bundesrepublik der
DDR, die damals schon pleite war, Anfang der Achtziger erneut einen großzügigen
Kredit gewährte, wurden die Selbstschussanlagen als Gegenleistung wieder
abgebaut. Wirklich notwendig zur „Grenzsicherung" waren diese aufgrund der
hermetischen Abriegelung ohnehin nicht mehr gewesen. Sie schadeten nur dem Image der
DDR.
Für Normalbürger der DDR war es nämlich ohnehin nicht möglich, überhaupt nur in
Grenznähe zu kommen. Vor der Grenze gab es ein mehrere Kilometer tiefes
Sperrgebiet.
Nur die Bewohner, die in diesem Sperrgebiet lebten, konnten dieses
mit besonderen Passierscheinen betreten. Die Ortsbewohner mussten bei der
Grenzbehörde erfasst sein. Der Aufenthalt im Freien war i.d.R. nur von
Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gestattet. Es durften keinerlei Versammlungen
und Veranstaltungen durchgeführt werden. Hotels, Pensionen und Gaststätten waren
zu schließen.
Teilweise ließ die DDR-Regierung
ganze Dörfer in Grenznähe dem Erdboden gleich machen und siedelte deren Bewohner
zwangsweise
in das innere Gebiet der DDR um.
Die betreffenden Bewohner hatten
damals sogar Angst, nach Sibirien deportiert zu werden. Oft setzen
sich deshalb noch in letzter Minute in die Bundesrepublik ab.
An einigen Stellen der ehemaligen Grenze gibt es museale Reste der Grenzanlagen.
In Mödlareuth, an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen steht sogar noch ein
Stückchen der damaligen Mauer.
Nachfolgend einige Bilder der musealen Reste der ehemaligen Grenze:

Warnschild auf westdeutscher Seite Grenzpfahl der DDR Führungsstelle für
den jeweiligen Grenzabschnitt

Streckmetallgitterzaun
Erdbeobachtungsbunker ehemaliger Kolonnenweg
So, genug der historischen Vorbemerkungen.
1.
Tag: Anreise mit dem Zug nach Hof
Die Anreise mit der Bahn war wieder
einmal ein Erlebnis für sich. Ich hatte in Göppingen, also nicht per Internet,
sondern
sozusagen offline und live am Fahrkartenschalter eine Fahrkarte von Göppingen
nach Hof mit Fahrradkarte gebucht.
Der Lady am Schalter war also bekannt, dass ich mit dem Fahrrad reise. Ich kam
dann nur bis Ansbach und dann war Schluss. Die Strecke von Ansbach nach Nürnberg
war nämlich eine Baustelle. Es gab nur den berüchtigten Schienen-ersatzverkehr,
also Busse, und diese nehmen keine Fahrräder mit, schon gar nicht die EBikes,
wie ich bei einem entsprechenden Versuch feststellen musste. Es gab also nur die
Möglichkeit, einen Umweg über Treuchtlingen zu fahren und obwohl ich für diesen
Umweg nun wirklich nichts konnte, durfte ich dafür noch einmal eine extra
Fahrkarte lösen.
Die Deutsche Bahn eben!!!! Ich habe mir aber davon
nicht meine Urlaubslaune verderben lassen.
Abends kam ich dann endlich in Hof
an und habe im dortigen Gasthof Strauß recht ordentlich übernachtet (ÜF €
58,00).
Es folgte noch ein kleiner Bummel mit dem Rad durch Hof. Na ja, es gibt die eine
oder andere nette Ecke, aber man merkt halt schon, dass die Industrie und die
Arbeitsplätze fehlen. Nach einem fulminanten Abendessen in einem Schnitzel-paradies ging's dann ab ins Bett
2.
Tag: Hof - Dreiländereck (tschechische Grenze) - Joditz, Saale
55 km
Rathaus Hof

Nach dem Frühstück
ging es dann los zum eigentlichen Startpunkt der Reise, nämlich zum
Dreiländereck an der tschechisch- deutschen Grenze, also dorthin, wo einst
die damalige Zonengrenze im Süden begann. " Dreiländereck" deshalb, weil zum
Zeitpunkt der Festlegung der Grenze im Jahr 1861 drei Staaten an dieser Stelle
zusammentrafen, nämlich die Königreiche Bayern, Sachsen und Österreich.
Anschließend unternahm ich einen ersten kurzen Trip auf dem ehemaligen
Kolonnenweg, habe dies nach einigen Durchrütteln aber dann wieder bleiben
lassen. Als nächstes ging es dann zum ehemaligen Grenzbahnhof Gutenfürst.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude steht zwar noch dort. Es sieht ziemlich trist und
heruntergekommen aus und es gibt auch keinerlei Museum oder einen sonstigen
Hinweis auf dessen ehemalige Funktion als Grenzbahnhof. Eigentlich sollte es
weiter rechts und links der ehemaligen Grenze entlang gehen. Es war jedoch
Mittag und die Gegend war so menschenleer, dass weit und breit kein Gasthof in
Sicht war. Ich wechselte daher auf die bayerische Seite und fand direkt an der
Saale gelegen ein sehr schönes Ausflugslokal namens Fattigmühle. Frisch
gestärkt und mit etwas nachgeladenem Akku ging es dann noch ein kurzes Stück
weiter bis Joditz an der Saale. Der dortige Gasthof Krauß (ÜF 52,00) hatte ein ordentliches Zimmer. Da es noch früher Nachmittag und schön
sonnig war, ging es ab zum dortigen, idyllischen Auensee für einen
gemütlichen Badenachmittag.
3.
Tag: Joditz - Probstzella
66 km (1256 hm)
Am nächsten Tag ging es
weitgehend im und am Rande des Saaletals zunächst entlang der ehemaligen Grenze.
Ein kurzes Stück Kolonnenweg musste natürlich auch wieder sein. In Pottiga
gibt es einen kleinen Skywalk, von dem aus man einen schönen Blick auf das Saaletal hat und sich gar nicht mehr vorstellen kann, dass unten im Tal die
Grenze längs lief.
Das
kurz darauf durchquerte Blankenstein lag unmittelbar an der Grenze im Tal
der Saale und war damals Sperrgebiet.
Nun begann eine trotz "E" durchaus anspruchsvolle Tour durch den Thüringer Wald.
Das Zwischenziel war zunächst Lehesten, ein kleiner Luftkurort auf 640 hm
und einst ein bedeutender Schieferbergbauort.
Es gibt dort ein sehr schönes
Museum, welches ich früher schon einmal besichtigt habe und das sich durchaus
zu besichtigen lohnt.
Mein Problem war aber wieder einmal, dass aufgrund der
ständigen Berg- und Talfahrt zum einen der Akku ziemlich leer war und sich zum
anderen in Lehesten partout kein Lokal finden ließ. Ein netter Einheimischer,
der gerade sein Wohnmobil für den Urlaub packte, spendierte mir Ladestrom und
ein Freibier. Außerdem sagte er mir, dass es im nicht weit entfernten Dörfchen
Schmiedebach noch eine Gaststätte gäbe. Also wieder rauf auf den Sattel und in
der Tat gab es dort dann sogar Roulladen mit Thüringer Klößen und der Akku
konnte sich auch noch ein wenig erholen.
Besonders interessant war der Schwatz mit der Wirtin:
Ihr Vater hatte das Lokal schon zu DDR-Zeiten betrieben. Im Dorf
gab es einen FC Bayern Fanclub, der in seinem Lokal eine FC Bayern-Fete
veranstaltete. Prompt wurde der Vater von der Stasi "zur Klärung eines
Sachverhalts", wie das damals so schön hieß, abgeholt. Man drohte, ihm den Laden
zuzumachen. Netterweise hatten sich dann der Bürgermeister des Dorfs und der „Abschnittsbevollmächtigte" ( Polizist der Volkspolizei) für ihren
Vater eingesetzt.
Der Abschiedsbevollmächtigter hat der Stasi gesagt, dass
es wenig Sinn mache, das Lokal zu schließen, da die Stasi dann keine Möglichkeit
mehr habe, die örtliche Bevölkerung in Ruhe zu bespitzeln. Das Argument hat dann
tatsächlich gezogen und der Vater konnte seine Kneipe weiterbetreiben!!! Schon
irre, oder?
Anschließend ging es dann weiter, nicht mehr ganz so Berg und Tal, sondern am
Schluss weitgehend talabwärts hinunter nach Probstzella. Auch in diesem Ort
gab es einen mit allen Schikanen gesicherten Grenzbahnhof. Das
Überwachungsgebäude der Stasi ist inzwischen abgerissen und dort steht
heute ein Discounter. Abgesehen von den üblichen Grenzzäunen und Sperranlagen
sahen die damaligen Sicherungen u.a. so aus, dass
die Richtung Westen fahrenden Züge in Probstzella halten mussten und
kontrolliert wurden. Vorsichtshalber war eine Weiche Richtung Westen so
eingestellt, dass sie auf ein totes Gleis führte. Einfach Gas bzw. Dampf geben und
zu versuchen,
die Grenze zu durchbrechen, wäre also zwecklos gewesen. Man
wäre mit Karacho auf das tote Gleis und dort dann in den Schotter gefahren. Erst
nach Durchführung der Kontrollen und Freigabe durch die Stasi wurde die Weiche
dann zurück auf die Hauptstrecke gestellt.
Beeindruckend war auch mein Hotel in Probstzella, das Haus des
Volkes (ÜF € 64,00, Etagendusche!) der Preis war etwas unangemessen, die
Geschichte des Hotels allerdings höchst interessant. Es stammte nämlich nicht,
wie der Name vermuten lässt, aus DDR-Zeiten sondern aus den zwanziger Jahren.
Der Erbauer des Hauses im Bauhausstil war ein
Elektrizitätsunternehmer und SPD-Mitglied namens Franz Itting. Dieser hatte sich
mit diversen Sozialleistungen, obwohl Unternehmer, sehr für seine Arbeiter
engagiert. Prompt haben ihn die Nazis in den dreißiger Jahren dann verfolgt,
vorübergehend ins KZ gesteckt, damit er seine Anteile am Unternehmen aufgibt.
Zu
russischen und späteren DDR-Zeiten ging das dann munter so weiter. Er wurde
erneut enteignet und mehr oder weniger in den Westen vertrieben. So etwas nennt
man Schicksal!
4.
Tag: Probstzella - Gemünda 87 km
An
diesem Tag verabschiedete sich der Sommer für acht Tage. Es hat praktisch jeden
Tag geregnet. Gott sei Dank nie durchgehend, sondern in der Regel nur maximal
eine Stunde am Tag. Aber auch wenn ich für so etwas natürlich ausgerüstet war,
hat mir das die Radlerlaune doch ein bisschen eingetrübt. Ich startete also in
Probstzella bei Regen, der nach einer Stunde, als ich den nächsten Höhenzug im
Thüringer Wald erklommen hatte, aufhörte. Auch in diesem Bereich wechselte ich
ständig entlang der ehemaligen Grenze hin und her. Mal war ich in Bayern und
dann wieder in Thüringen.
Den
an diesem Tag höchsten Punkt mit ca. 700 hm erreichte ich an der Grenzstelle
links auf dem Bild einen Kilometer oberhalb von Kleintettau. Weshalb die
Abfahrt hinunter nach Kleintettau "Promilleweg" heißt, wissen wohl nur die
Einheimischen
Nach Tettau
war dann bis Spechtsbrunn noch mal ein wenig Kraxeln angesagt und ab
da ging es wunderschön durch ein idyllisches Tal hinunter bis Sonnenberg.
Die abgestorbenen Wälder an
einigen
Hanglagen gaben einem zu denken. Auch Sonnenberg lag mal im Sperrgebiet und war
trotzdem das Zentrum der Spielzeugindustrie der DDR. Heute ist davon, wie mit
vielen anderen ehemaligen Industrien in der DDR auch, nichts mehr übrig. In
einem Vorort Sonnenbergs lachte mich ein gut besetztes Ausflugslokal an, welches
Thüringer Bratwürste versprach. Ich also nix wie rein, um dann mitgeteilt zu
bekommen, dass es diese erst abends gebe. Wieder nix mit Thüringer Bratwürsten!!
Es war wirklich zum Verzweifeln!
Die Stadt kannte ich schon von einer früheren Fahrradtour. Sie hat ein zwei sehr
schön renovierte Gebäude, wie zum Beispiel das Rathaus, ist aber ansonsten, wie
so viele Städte der ehemaligen DDR etwas tot. Große
Besichtigungen habe ich daher nicht gemacht. In Neustadt bei Coburg passierte
ich wieder
einmal die Grenze und bin dann am Coburg vorbei schließlich in der
dortigen Gegend in einem kleinen Dorf namens Gemünda gelandet. Das
Örtchen liegt nicht weit entfernt von Seßlach, einem bildhübschen, mauerumgrenzten Städtchen, deshalb hier links ein Bild von einer früheren
Tour.
Rathaus Sonnenberg
Ta, und dann war ich an diesem Tag zum zweiten Mal fällig!
Mir schwante schon Übles, denn einige Kilometer vor Gemünda wurde der Himmel vor
mir immer schwärzer und gefühlt 500 m vor Erreichen meiner Unterkunft in Gemünda
erwischte mich doch tatsächlich ein heftiger Regensturm mit leichten Hagel.
Völlig durchnässt aber auch glücklich erreichte ich den kleinen Landgasthof
Roter Ochsen (ÜF 40,00) und zog mich erst einmal um.
Das Zimmer war von sehr
einfachen Standard, aber bei dem Preis konnte man wirklich nicht meckern. Die
Wirtsleute waren sehr nett und jetzt kommt das Beste: Im Ort hatte es offenbar
ein kleines Fest gegeben und der Wirt hatte sein Bratwursthäusle vor dem
Lokal in Betrieb. Die fränkischen Bratwürste, die dort den Thüringern sehr ähneln,
schmeckten so gut, dass ich gleich zwei Portionen verdrückt habe.
Sie waren auch,
was heute kaum noch vorkommt nicht über einfacher Holzkohle sondern über
Kiefernzapfen gegrillt. Mit dem Sammler der Zapfen, einem Freund der
Gaststätteninhaber, hatte ich bei einem Bier noch einen netten Schwatz.
So hatte der Tag trotz zweier Regenphasen zu Beginn und zum Schluss doch ein
sehr schönes Ende gefunden.
Stadttor Seßlach

5.
Tag: Gemünda - Mellrichstadt 63 km
Die weitere
Strecke bis Mellrichstadt ging über verschiedene Dörfer durch eine nur leicht
hügelige Landschaft.
Ich passierte ein Dorf mit dem lustigen Namen Milz und radelte an
einem Schloss, nämlich Schloss Sternberg vorbei.
Bei Behrungen
gibt es ein kleines Grenzfreilichtmuseum, zu dem ich einen kurzen Abstecher
machte.
Zwei Kilometer vor Mellrichstadt gab es dann wieder die obligatorische
Dusche, nicht schlimm, aber ohne die ging es wie schon erwähnt, auch an diesem Tagen
nicht. Der Namensbestandteil "stadt" führt deutlich in die Irre. Das Örtchen hat
nur ca. 5000 Einwohner. Umso bemerkenswerter, dass ich dort trotzdem eine Unterkunft in
dem
recht edlen aber auch einzigen Hotel, dem Stadthotel Reich (ÜF € 113,00)
fand.
Schloss Sternberg
6.
Tag: Mellrichstadt - Geisa
85
km
Mellrichsstadt
liegt am Rande der Rhön und in Bayern bzw. Franken. Zunächst ging es entlang des einen oder anderen Flusstals
noch recht gemütlich durch die Gegend. Am Ortsrand von Ostheim vor der Rhön
stand dankenswerterweise ein entsprechendes Hinweisschild, sonst wäre ich an der
Kirchenburg in Ostheim völlig ahnungslos vorbeigeradelt. Die Burg liegt wie
immer oben am Berg und ist tatsächlich eine Kirche, die außen herum wie eine
Burg, also mit Mauern und Türmen befestigt ist. Unbedingt einen Abstecher vom
Radweg wert!
Ab Oberfladungen ging es dann kräftig hoch die Rhön bis auf ca. 700
Höhenmeter bei Frankenheim. Ab da war dann eine rasante Abfahrt nach
Hilders angesagt. Dort habe ich mir in einem
Fahrgeschäft vorsorglich neue Bremsbeläge besorgt und gemütlich zu Mittag
gegessen.
Anschließend ging es weiter immer etwas bergauf bergab bis ich schließlich in
einem kleinen Örtchen namens Geisa, diesmal wieder im thüringischen Teil
der Rhön, landete. Wie üblich klingelte ich ohne Voranmeldung dort beim
Geisstübchen (ÜF 45,00). Die Wirtin fragte mich doch tatsächlich, ob
ich gebucht hätte?
So etwas mache ich bekanntlich auf meinen Fahrradtouren nie.
Kirchenburg Ostheim Aber sie hatte dann noch ein Zimmerchen. Auf der anderen Straßen-
seite hatten sie einen sehr großen und gemütlichen Biergarten. Das Ganze hatte
einen gewissen "Ostcharme" (Bitte nicht böse sein liebe Thüringer!) Es war
wieder eines der Lokale, bei denen die Eigentümer mit viel Engagement und
Improvi-sationstalent das Beste aus den damaligen Möglichkeiten gemacht haben.
Nach dem Frischmachen ging es ohne Gepäck mit dem Fahrrad noch steil hoch
zum dortigen Point Alpha.
Es handelt sich hierbei um einen von mehreren ehemaligen Beobachtungspunkten der US-Armee
in den Zeiten des kalten Krieges
Kuschelbett Geisstübchen
unmittelbar an der Grenze zur DDR. Man darf nicht vergessen, dass in den
fünfziger Jahren und auch später die Satelliten-
aufklärung zunächst gar nicht und auch später nicht so perfekt funktionierte wie
heute. Der Point Alpha war am sogenannten
"Fulda Gap" eingerichtet worden.
Das Fulda Gap (deutsch: Fulda-Lücke) lag im Zentrum der NATO-Verteidigungslinie
und galt bei den NATO-Planern als eine der vier möglichen Einfallschneisen
der Truppen des
Warschauer Paktes in die Bundesrepublik Deutschland. Begünstigt durch seine
geostrategische Lage, kam dem Fulda Gap eine besondere Bedeutung zu. Hier, wo
der Ostblock am weitesten in den Westen hineinragte, hätten die Angreifer
innerhalb von nur 48 Stunden bis an den Rhein vorstoßen und die Hauptstandorte
des V. US-Armeekorps ausschalten können. Das Fulda Gap wäre somit zu einem
ersten Schlachtfeld des Dritten Weltkrieges geworden.
Dort oben befindet sich
auch ein sicher interessantes Museum, welches ich aber nicht besichtigt habe.
Anschließend ging es flott runter vom Berg.
Da zum Abendessen Selbstverpflegung angesagt war, versorgte ich mich im
örtlichen Supermarkt und setzte mich in den ansonsten leeren Biergarten. Der
Herr des Hauses konnte mein improvisiertes Abendessen nicht mitansehen und hat
mir netterweise, "soviel Kultur muss sein", wie er meinte, sowohl einen Teller als
auch ein frisch gezapftes Bier gebracht
Beobachtungsturm
Point Alpha
7.
Tag: Geisa - Mihla
85 km
An diesem Tag verließ ich
die Rhön allmählich, um zunächst in Vacha an der Werra anzukommen. Die
Grenze ging an dieser Stelle am Flussufer der Werra entlang und durchquerte die
Werra, was komplizierte Sperrmaßnahmen im Fluss erforderlich machte, die bei
Hochwasser außerdem hochgezogen werden mussten. Der Aufwand war schon
beachtlich! Auch Vacha lag wieder im Sperrgebiet mit allen Nachteilen
für die dortige Bevölkerung.
Das Städtchen hat Überreste einer schönen Burg und mitten auf der Brücke stand
zu DDR-Zeiten der obligatorische Wachturm.

Burg Wendelstein Vacha
Vacha von Werrabrücke aus
Abraum Kalibergwerk
Nun radelte ich den Rest des Tages die Werra entlang. Hin und wieder
sieht man dort auch die Abraumhalden der ehemaligen Kalibergwerke der DDR, die
nach der Wende alle geschlossen wurden. Für die Betroffenen hatte das den
Verlust ihrer Arbeitsplätze zur Folge. Für die Werra bzw. später die Weser war
das ein Segen. Die DDR hatte den Kali-bergbau nämlich so betrieben, dass beide
Flüsse komplett versalzen waren. Machte ja nix, bekam der Klassenfeind ab!
Irgendwann um die Mittagszeit gab es dann wieder den obligatorischen
Regenschauer. Ich war so durchnässt, dass mich der Wirt der Pizzeria, in der ich
meine Mittagspause machte, bat, nicht im Innenraum, sondern in der Loggia Platz
zu nehmen.

Weiter ging es nach Herleshausen. Früher war dort oben an der Autobahn der
Grenzübergang Wartha-Herleshausen. Einige Infotafeln zeigen einem, wie
der schwer gesicherte Grenzübergang damals aussah. Ich selbst habe auf dem Weg
nach damals Westberlin noch Mitte der Siebziger den Grenzübergang bei Hof
passiert. Die einschüchternde Atmosphäre, von den DDR-Grenzern durchaus gewollt,
ist mir immer noch gut in Erinnerung. Man war ganz klein, versuchte sich
möglichst unauffällig zu verhalten, verkniff sich tunlich irgendwelche blöden
Sprüche und war froh, wenn man den Grenz-übergang passiert hatte.
In Creuzburg wollte
ich die Tagestour eigentlich beenden. Außer in einem Nobelhotel in der dortigen
Burg gab es aber kein Zimmer mehr. Also auf Bookingcom geguckt. In Mihla
(Thüringen)
gab es noch ein freies Zimmer. Allerdings waren es bis dahin nochmals ca. 15 km,
aber das war dann auch schon egal. Es stellte dich heraus, dass es sich
ebenfalls um ein Schlosshotel
 handelte,
und zwar
Ehemaliger Grenzübergang
um das Hotel Graues Schloss (ÜF € 80,00). Es gibt in diesem Dorf
tatsächlich noch ein weiteres Schloss, nämlich das Rote Schloss.
Mein Hotel
wurde von zwei reizenden alten Damen bewirtschaftet.
Die Zimmer waren liebevoll
eingerichtet, mit einem Himmelbett und auch mit einem Porzellannachttopf. Es gab aber, nur um
das klarzustellen, ein ganz normales Bad.
Lustig war allerdings, dass ein Hinweisschild verbot, den Fahrradakku auf dem
Zimmer aufzuladen. Im Fahrradschuppen selbst waren keine Steckdosen vorhanden.
Stattdessen stand auf dem Hinweisschild, dass
Graues Schloss
dortiges Zimmer
es im nächsten Ort, etwa 15 Kilometer weiter, Lademöglichkeiten gäbe! Schon
putzig! In der Regel ist der Akku abends relativ leer! Nun ja..... Ich habe das
natürlich ignoriert und meinen Akku auf dem Zimmer aufgeladen. Sorry meine Damen!
8.
Tag: Mihla
- Dingelstädt 58 km
Am nächsten Morgen ging es
noch einige Kilometer im Werratal lang. Der kleine L-Haken kurz nach Treffurt
auf der Karte ist der abgebrochene Versuch, noch einmal ein bisschen auf dem
Kolonnenweg zu radeln. Es ging aber schon kurz nach dem Abbiegen von der L
3244 derartig steil den Berg rauf, dass ich den Versuch abgebrochen habe.
Stattdessen kraxelte ich kurz nach Wanfried den dortigen Höhenzug hinauf
und auf der anderen Seite wieder runter. Am Ortsende von Geismar fand
sich dann ein türkischer Imbiss, dessen Inhaber eine prima
Pizza
servierte und so ging es frisch gestärkt weiter bergauf und bergab.
Kurz nach Wachstedt war es dann wieder soweit:
Der Himmel vor mir wurde sehr schwarz und ich durfte mir meine erste
Regenportion für diesen Tag abholen. Nachdem ich beim Blick auf die Karte
festgestellt hatte, dass sich in Kieferhausen die Quelle der Unstrut
befand, wich ein bisschen von meiner Tour ab, wartete in Kieferhausen in einer
Hofeinfahrt das Ende des Regens ab und fuhr zur Unstrutquelle.
Weiter ging es dann, zunächst ohne Regen, nach Dingelstädt (Thüringen).
Dort öffnete Petrus wieder seine Schleusen.
Ursprünglich hatte ich geplant, noch bis Leinefelde zu radeln. Das ließ ich dann
aber fein bleiben und quartierte mich in Dingelstädt im dortigen Hotel
Deutsches Haus (ÜF € 80,00) ein.
Unstrutquelle
9.
Tag: Dingelstädt
- Bad Sachsa 59 km (931 hm)
Auf der
Weiterfahrt am nächsten Morgen fand sich in Leinefelde, man ahnt es
schon, dort entspringt die Leine, direkt an der Hauptstraße erfreulicherweise
ein gut sortierter Fahrradladen. E-Bikes vom Feinsten! Nur eine Regenabdeckung
für meine Satteltasche fand sich zunächst nicht. Die Abdeckung war mir zwei Tage
zuvor von der Satteltasche unbemerkt davongeflogen. Einer der Inhaber
des
Geschäfts wühlte dann aber in einer Schublade und Trara! Er fand tatsäch-lich
noch ein liegengebliebenes Exemplar. Damit musste ich meine Satteltasche dann
nicht mehr bei Regen provisorisch mit einer Einkaufstüte abdecken. Ansonsten war
der Tag freundlich und ereignislos. Es regnete nicht einmal!
Gegen Mittag erreichte ich Bad Sachsa, einen kleinen Luftkurort am Fuße
des Harzes in Niedersachsen. Meine Über-nachtungsmöglichkeit, das
Panoramahotel Frohnau (ÜF € 50,00) lag steil oben am Berg. Naja, anders
hätte man logischerweise auch keinen Panoramablick gehabt :-) !
Weiter
bin ich an diesem Tag mit Absicht nicht geradelt, denn vor mir lag der doch
recht einsame Harz und auch wenn ich nie Hotels vorbuche, wollte ich mitten in
der Prärie dann doch nicht zu sehr Hotellotterie spielen. Mit Ausnahme eines
hübschen Kurparks mit einem kleinen See gab es nicht allzu viel zu sehen. Als
sich am frühen Abend in der Innenstadt noch einen Kaffee trinken wollte, waren
alle Bürgersteige schon hochgeklappt bzw. Cafés zu. Schon sehr merkwürdig für
einen Kurort! Gerettet hat mich dann eine Bäckereifiliale im örtlichen Rewe am
Rande der Stadt.
Meinen Einkauf beim Rewe habe ich mehr oder weniger freihändig in einer
Plastiktüte den Berg hochgefahren und prompt, man lernt ja nix dazu, gab es eine
unerfreuliche Seitenlandung. Ging diesmal aber ohne gebrochenes Schlüsselbein (siehe
Radtour Lausanne) o. ä. ab!
Bad Sachsa Schmelzteich
10.
Tag: Bad Sachsa -
Bad Harzburg 75 km (1017 hm)
Am nächsten Tag hieß es:
Auf geht`s und ab in mein zweites Mittelgebirge auf dieser Tour, nämlich den
Harz. Ich durchquerte unter anderem ein Örtchen namens Benneckenstein,
zu dem ist eine lustige Sage gibt:
Der Ortsname kommt angeblich daher, dass einst eine alte Bauernfrau mit einem
schweren Rucksack beladen im Wald Pause gemacht, sich ausgeruht hatte und vor
Erschöpfung eingeschlafen war. Zur gleichen Zeit streifte ein Jäger durch den
Wald. Da er ebenfalls müde geworden war, suchte er sich ein Ruheplätzchen. Er
hielt die schlafende Bauersfrau mit ihrer dunklen Kleidung, welche sich kaum von
der Umgebung abhob, für einen Felsbrocken und setzte sich auf den "
Felsbrocken". Als er ein fröhliches Liedchen trällerte, wurde die alte Frau
wurde davon unsanft aus dem Schlaf geweckt und richtete sich auf. Der
ahnungslose Jägers erschrak fürchterlich, sprang auf und bat um Verzeihung. Die
Alte aber sprach auf Harzer Platt: „Benn-eck-en-stein?“
 
Kurz nach Sorge führte mich der Weg eine ganze Weile entlang einer der
Harz-Schmalspurbahnen. Es hatte auch mal wieder zu regnen begonnen. Gott sei
dank fand sich nach einer Weile kurz vor einem Örtchen mit dem schönen Namen
Elend tatsächlich ein Gasthaus, in das ich flüchten konnte und zu Mittag aß.
Ich war nicht der einzige Flüchtling. Eine Wanderfamilie mit zwei Kinder saß mit
mir in der Gaststube und draußen saß eine Altherren-Bikertruppe unter den
Sonnenschirmen im Regen. Weiter ging es dann, ohne Regen, den Harz hinauf,
vorbei an dem Bahnhof Elend und leider auch vorbei an einem ziemlich
toten Wald.

Am frühen Nachmittag
landete ich dann bei schönsten Sonnenschein in Werningerode in
Sachsen-Anhalt, einem
hübschen mittelgroßen Ort mit viel Fachwerk. Auf dem
dortigen Marktplatz gönnte ich mir einen Cappuccino. Es wimmelte von Polizei
in der Stadt. Grund war eine Christopher-Street-Day-Parade.
Das Rathaus war leider mit einem Baugerüst verhangen, sodass hier rechts
stattdessen eines der vielen schönen Fachwerkhäuser zu sehen ist.
Als Tagesziel hatte ich
Bad Harzburg vorgesehen, in dem ich am frühen Abend auch ankam, nicht ohne 3
km vorher noch einmal kräftig eingeregnet worden zu sein. Ich muss an dieser
Stelle mal festhalten, dass ich noch auf keiner meiner vielen Fahrradtouren soviel Regen
hatte, nicht einmal einst in England! Wie auch immer, im ein bisschen in die
Jahre gekommenen Hotel Fernblick (ÜF 67,00), man ahnt es, ebenfalls oben
am Hang, fand sich dann eine Bleibe.
11.
Tag: Bad Harzburg - Helmstedt 75 km
Mit dem Start
in Bad Harzburg am nächsten Morgen verließ ich endgültig den Harz und dessen
Ausläufer und bewegte mich von nun an in der norddeutschen Tiefebene.
Berge "drohten" keine mehr und prompt hatte ich an diesem Tag mit heftigen
Gegenwind zu kämpfen, der offenbar direkt von der Nordsee kam.

Kurz nach Osterwieck ging es durch ein Waldstück und da erwischte
mich dann "Erichs Rache" :-). (Erich Honnecker, vorletzter
Staatsratsvorsitzender der DDR)
Der Waldweg war nämlich ein
Betonplattenweg, ähnlich den
Kolonnen-wegen an der ehemaligen, innerdeutschenGrenze. Die DDR war ja immer
knapp an Devisen und hatte Dinge, die bei uns aus Stahl produziert wurden, zum
Beispiel die Masten von Straßenlaternen, aus Stahlbeton konstruiert.
Die Autobahnen und manche Straßen waren nicht asphaltiert (Erdöl musste
teuer vom sowjetischen "Bruderstaat" importiert werden), sondern der Belag
bestand aus Beton, so auch mein Waldweg. Irgendwann bin ich offenbar seitlich
von dem Betonplattenweg abgerutscht. Ich hatte mir direkt an der Felge des
Hinterrads, vorne wäre auch einfach gewesen, den Mantel beschädigt und darunter
ein kleines Loch produziert. Das Loch war aber so klein, dass ich das zunächst
gar
nicht bemerkte.
Kurz nach Rohrsheim bog ich von der Strecke ab, um einen kleinen
Abstecher zur Westernburg zu machen. Es handelt
Westernburg
sich um eine hübsche Wasserburg mit Hotelbetrieb.
In
Ohrsleben realisierte ich dann meinen Platten. Es drohte auch schon
wieder zu regnen. Ich also Unterkunft in einem Carport gesucht, Hinterrad
demontiert, das Loch geflickt und alles wieder zusammengebaut. An einem der
dortigen Häuser habe ich dann geklingelt und man hat mich freundlicherweise
reingelassen, damit ich mir die total ölverschmierten Hände waschen konnte.
Die weiteren ca. 20 km nach Helmstedt (Niedersachsaen) waren dann eine ziemliche Zitterpartie. Tatsächlich blieb die Luft aber drin und so konnte ich abends, mal wieder am
Berg, im Best Western (ÜF € 96,00) in Helmstedt einchecken, natürlich
nicht, ohne vorher noch einmal ca. eine halbe Stunde eingeregnet worden zu sein.
Das Hotel liegt übrigens am Rande des Geländes, auf dem sich früher die
Grenzkontrollanlage der DDR (im DDR-Deutsch: "GÜSt" = Grenzübertrittsstelle)
der Autobahn befand.
Abends ging's dann runter in die Altstadt und im dortigen Ratskeller gab es ein
gutes, rustikales Abendessen.
Es stellte sich nun die Frage, ob ich in Helmstedt noch einmal übernachten
sollte, denn es war Pfingstsonntag und so waren auch am Pfingstmontag die
Fahrradläden in Helmstedt geschlossen. Ich beschloss, zunächst einmal ins Bett
zu gehen, am nächsten Morgen zu frühstücken und dann im Keller nachzusehen, ob
noch Luft im Hinterrad ist.
Rathaus Helmstedt
12.
Tag: Helmstedt - Salzwedel 93 km
Nun, am nächsten Morgen war tatsächlich noch die ganze Luft im Hinterrad :-)
!
Die Weiterfahrt nach Salzwedel war recht unspektakulär.
Norddeutsche Tiefebene eben! Es zog sich ein bisschen, aber schließlich kam ich
am späten Nachmittag in diesem hübschen Städtchen mit viel Fachwerk an. Der Ort,
zu DDR-Zeiten wieder mal direkt hinter der Grenze und damit im Sperrgebiet
gelegen, hat ca. 24.000 Einwohner. Trotzdem war es nicht ganz einfach, ein Hotel
zu finden. Schließlich nahm ich Quartier direkt an der Marienkirche, einer
schönen spätgotischen Backsteinbasilika.
Das Hotel hieß Katharinenhöfchen
(ÜF € 90,00). Der Preis war eher an der Obergrenze. Bei dem Hotel handelt es sich
allerdings um einen liebevoll renovierten, verwinkelten Fachwerkbau, das von
einem älteren Ehepaar betrieben wurde. Hier habe ich dann zweimal übernachtet. Ich hatte ja immer noch mein geflicktes Loch im Hinterrad und wollte
damit nicht bis zum Tourende Lotto spielen. Im Ort fand sich ein sehr gut
sortierter Fahrradladen, der sogar einen Mantel hatte, der zum Profil zu meinem
Vorderrad passte.
Vor dem Hotel habe ich dann Mantel und Schlauch gewechselt. Den Rest des Tages
bummelte mit dem Rad durch das schöne Städtchen

Marienkirche
An der Jeetze
Stadttor
13.
Tag: Salzwedel - Dömitz 82 km
Von Salzwedel
ging es am nächsten Morgen zunächst zum Arendsee. Eigentlich
hatte ich vorgehabt dort ein gemütliches Mittagspäuschen am Wasser zu
machen und vielleicht auch in den See zu springen. Der See ist jedoch,
jedenfalls auf der Seite, an der ich längsradelte, komplett eingezäunt. Nun gut
dachte ich was soll's, also weiter auf Richtung Elbe.
Den Fluss erreichte ich in
Schnackenburg. Am dortigen kleinen Hafen liegt ein interessantes kleines
Grenzmuseum.
Ein Freund meiner Eltern war dort in den sechziger Jahren beim
Bundesgrenzschutz mit einem Patrouillenboot unterwegs. Die DDR hat immer
behauptet, die Grenze zwischen beiden Staaten läge in der Flussmitte. Natürlich
hatte die NVA die stärkeren Boote und die haben sich dann immer mit dem
Bundesgrenzschutz Wettrennen geliefert oder sind scharf aufeinander zugefahren
oder aneinander vorbei gefahren.

Die
Grenzbefestigungen lagen aber auf dem östlichen
Ufer der Elbe. In Schnackenburg setze ich mit der Fähre auf die andere Elbseite
über und weiter ging es entlang der Elbe über Lenzen nach Dömitz.
An der Einfahrt in den Ort lag die Pension
Schult (Ü € 40,00).
Dort war noch ein Zimmer frei und so war ich gut
untergekommen.
Museum NVA-Boot
Nach dem Frischmachen ging es rein den Ort, runter an die Elbe
und dort genoss ich die Abendsonne an der Elbe und umradelte noch die Festung
Dömitz. Die Auswahl an Lokalen ist in dem kleinen Örtchen minimal. Gerettet
hat mich dann ein Dönerlokal mit Außenbewirtschaftung, sodass ich den Abend im
Sonnenschein ausklingen lassen konnte. Ach ja: Wie schon am Vortag hatte es auch
diesen Tag nicht geregnet!!!
Das Tiefdruckgebiet war endlich über mich hinweggezogen.
Festung Dömitz
14.
Tag: Dömitz - Boizenburg 77 km
Am Morgen
gab's dann ein Frühstück in der Bäckereifiliale direkt neben meiner Pension. Im
Penny gegenüber wurde die Tagesverpflegung besorgt und weiter ging's die Elbe
entlang. Da ich die rechtselbische Strecke in diesem Bereich schon von
früher kannte, ging's kurz nach Dömitz zurück auf die linke Seite und weiter
nach Hitzacker.
Ich blieb auf der linken Elbbseite und staunte nicht schlecht, als es
tatsächlich auf dieser Strecke bergauf und bergab ging. Nicht schlimm, aber man
wähnte sich ja im Flachland!
In einem Waldstück kurz vor Alt-Garge gab es plötzlich eine riesige
Lichtung und zur daneben fließenden Elbe einen kurzen Stichkanal. Es handelte
sich um ehemaligen Auslaufkanal eines großen Kohlekraftwerks, welches dort 1940
im Wald versteckt wurde (in den Planungen hieß es wohl auch als Tarnungsgründen
Kraftwerk „Ost-Hannover") und Hamburg mit Strom versorgen sollte. Wie
üblich geschah dies unter massiven Einsatz von Zwangsarbeitern und
KZ-Häftlingen. Es gelang jedoch nicht mehr, das Kraftwerk vor Kriegsende fertig
zu stellen. Nach Kriegsende wurde das Kraftwerk in der damaligen britischen
Besatzungszone fertig gestellt und lief bis 1973.
In Bleckede angekommen ging es dann mit der Fähre zurück auf die rechte
Elbseite und weiter bis Boizenburg. Boizenburg hat im Kern eine hübsche
Altstadt allerdings mit einem fürchterlichen, für Fahrräder absolut ungeeigneten
Kopfsteinpflaster. Die Hotelpreise dort waren ziemlich gesalzen. Ich bin dann
einige Kilometer aus dem Ort rausgeradelt und im Waldhotel Boizenburg (ÜF
€ 79,00) gelandet. Das Hotel liegt tatsächlich im Wald vor allem: direkt
gegenüber einer sehr schönen Naturseebadeanstalt. Natursee heißt in diesem Fall,
dass das Badewasser in einer Schilfkläranlage umgewälzt bzw. gereinigt wird. Ich
schnappte mir also meine Badesachen und verbrachte den Nachmittag gemütlich in
dieser schönen Badeanstalt, in der erstaunlicherweise sehr wenig los war.
Fährüberfahrt Elbe Bleckede
15.
Tag: Boizenburg - Ratzeburg 55 km
Weiter ging
die Reise am nächsten Morgen Richtung Ratzeburg. Unterwegs kam ich in
einem wieder sehr gut gemachten Freilichtmuseum mit diversen Beispielen für die
damaligen Sperrsysteme der Grenze vorbei, sowie bei Langenlehsten an einem
Gedenkstein für einen gewissen Michael Gartenschläger (* 13.01.44 +
30.04.1976).
Er hatte zusammen mit Freunden 1961 gegen den Mauerbau
protestiert und trat nach einem Schauprozess einen langjährigen Aufenthalt in
mehreren Jugendstrafanstalten und Gefängnissen an. 1971 wurde er von der
Bundesrepublik für 40.000 DM freigekauft. Er betätigte sich dann als
Fluchthelfer und besaß doch tatsächlich die Kühnheit, 1976 zweimal an der hochgesicherten Grenze an der gleichen Stelle zwei Selbstschussautomaten des
Typs SM 70 abzubauen, die er an den Spiegel und die "Arbeitsgemeinschaft 13.
August" verkaufte. Der dritte Versuch an wieder derselben Stelle ging dann
schief. Er wurde von Soldaten der Grenztruppen der DDR erschossen.
Weiter ging es zum Schaalsee und dort zum Kloster Zarrentin.
Am Seeufer stand eine überlebensgroße, aus Holz geschnitzte Teufelsfigur mit
einem Fisch unter dem Arm.

Die dazugehörige Sage geht wie folgt:
Die damalige Oberin des Klosters, die aus dem Süden stammte, hatte
großen Appetit auf Maränen, eine
Fischart, die sie aus ihrer Heimat kannte und die es am Schaalsee nicht gab. Prompt erschien ihr eines Nachts der
Teufel und bot sich an, ihr Maränen aus dem Bodensee zu holen. Bis Mitternacht
wollte er zurück sein und dann als Gegenleistung ihre Seele erhalten. Die Oberin
willigte kurzerhand ein. Sie bereute allerdings sehr schnell die Vereinbarung
mit dem Teufel. In ihrer Not vertraute sie sich ihren Nonnen an. Die jüngste
Nonne kam auf die Idee, die Turmuhr um eine Stunde vorzustellen, sodass der
Teufel nicht rechtzeitig am vereinbarten Treffpunkt auftauchen könnte. Wie
gesagt, so getan. Als der Teufel mit seinem Netz voller Maränen gerade über dem
Schaalsee flog, schlug die Turmuhr Mitternacht. Aus Wut, dass ihm wieder mal
eine Seele entgangen war, schleuderte er die Maränen samt Netz in den See, wo
sie sich wohlfühlten und prächtig vermehrt haben.
Weiter ging es idyllisch entlang des nächsten Sees, des
Salemer Sees. Wenig später ging es dann hinunter zum Ratzeburger See.
Die Altstadt Ratzeburgs liegt mitten im See auf einer Insel. Als es einst mal
Ärger mit einem dänischen König gab, hat ihr das auch nicht viel geholfen. Er
hat die Stadt vom Seeufer aus zusammengeschossen.
Die Alt- und Innenstadt ist nicht so beeindruckend. Dagegen war bzw. ist die
unmittelbar am Seeufer gelegene und topmoderne Jugendherberge einfach nur eine
Wucht!
Ich bekam dort mein Einzelzimmer und habe auch gleich Halbpension gebucht (HP €
81,00), denn zum Abendessen gab es eine gemischte Grillplatte.
Den Nachmittag verbrachte ich auf der Wiese der Jugendherberge am See, der noch recht frisch war. In der Jugendherberge probte auch ein Jugendmusikorchester und die überwiegend weiblichen Mitglieder sind dann doch
tatsächlich in der Abenddämmerung nach dem Abendessen in den kalten See
gesprungen.
Ich selbst machte noch einen kleinen Abstecher zum Ratzeburger Dom, der
imposant mit seiner Backsteingotik auf Hügel am Seerand thront.
  
Jugendherberge
Seeblick
Dom
16.
Tag: Ratzeburg - Travemünde - Lübeck 76 km
An diesem Morgen begann der letzte Tag meiner Fahrradtour und da werde ich immer
ein bisschen wehmütig. Viel geschafft, viel Schönes gesehen und leider auch bald
vorbei! Aber wie heißt es so schön: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei!
Landschaftlich war nicht mehr so viel geboten, alles flach halt. Besonders
sehenswerte Städte lagen auch nicht mehr auf dem Weg. Nur beim Durchradeln des
Ortes Schönberg mal wieder ein Rückblick auf die deutsch-deutsche
Geschichte:
In der Nähe dieses kurz hinter der Grenze gelegenen Ortes betrieb die DDR eine
riesige Sondermülldeponie, Giftmüll darf man ja nicht sagen. Gegen teure Devisen
luden dort bundesdeutsche Sondermüllentsorgungfirmen ihren Dreck ab. Das
"Witzige" an der Geschichte: Mit der Wiedervereinigung hatte die Bundesrepublik
ihren Dreck dann zurück!
Über Priwall, dem diesmal letzten Ort auf meiner Tour in der ehemaligen
DDR, erreichte ich dann die Travemündung. Mit der dortigen Fähre ging's über den
Fluss und ich
hatte
mein Ziel dieser Tour,Travemünde, erreicht. Auf der Uferpromenade gab es
in einem Fischrestaurant ein leckeres Menü.
Es war erst Mittag und so machte ich
mich wieder auf die Hotelsuche, denn den Nachmittag und auch den nächsten Tag
wollte ich gemütlich am Ostseestrand verbringen.
Diesmal hatte mich mein Glück beim Unterkunft finden allerdings vollständig
verlassen. Obwohl eigentlich noch keine Hochsaison, war alles komplett
ausgebucht. Die einzige Ausnahme war das Maritim, ein stockhässlicher
Hotelhoch-hausbunker aus den sechziger Jahren direkt am Strand. € 320,00 pro Nacht
wollte ich dann doch nicht ausgeben.
Was also tun? Ich
schloss mein Fahrrad an der Strandpromenade ab, bezahlte den an der Ostsee
obligatorischen Strandeintritt und ging mit meinen Satteltaschen über der
Schulter wie einst John
Wayne runter ans Wasser. Die mir aus meinen Kinderjahren noch
übel bekannten Quallen ließen sich Gott sei Dank nicht blicken und so war der
Badenachmittag gelungen.
Zimmer hatte ich immer noch keins, also ab zum
Bahnhof und online eine Fahrkarte nach Lübeck gebucht.
Tja und jetzt kam wieder
die Bundesbahnabenteuereinlage:
Kaum war die Buchung abgeschlossen, erschien auf
den Anzeigen des Bahnsteigs die Meldung, dass keine Züge Richtung Hamburg mehr
fahren, da es bei Bad Oldesloe irgendeine Gleisstörung gäbe. Naja, man ist ja
flexibel.
Die rund 20 km nach Lübeck bin ich am frühen Abend dann eben auch noch
geradelt. Auch Lübeck war wegen
Holstentor
irgendeines Stadtfestes ziemlich voll. Aber eine
der zwei Jugendherbergen hatte dann tatsächlich noch ein Plätzchen frei. Diesmal
kein Einzelzimmer, aber wir waren nur zu zweit im Vierbettzimmer. Nach dem
Frischmachen ging's dann runter
Richtung Holstentor und am Ufer der Trave gab es ein schmackhaftes Abendessen,
natürlich Fisch!.
17.
Tag: Lübeck - Hamburg (Zug)
Am nächsten Morgen versuchte ich am Bahnhof meine nicht benutzte
Fahrkarte vom Vortag gegen eine neue Fahrkarte für die Fahrt nach Hamburg
umzutauschen.
Da hatte ich meine Rechnung aber ohne den Wirt bzw. die Deutsche
Bahn gemacht!
Der „freundliche" Schalterbeamte erklärte mir kurz und bündig, man
könne die Fahrkarte nicht umtauschen. Und damit ich ihn auch ja nicht weiter
störte, schob er gleich die Glastür seines Schalterchens zu!
Ich überlegte mir schon, einfach so loszufahren, als ich auf dem Bahnsteig drei
Zugbegleiterinnen sah, die offenkundig auf dem Weg zu ihren Zügen waren. Ich fragte die Damen, ob
sie zufälligerweise in den Zug nach Hamburg einsteigen? Und siehe da, eine der
Damen bejahte meine Frage. Ich schilderte ihr mein Leid und sie meinte, ich möge
ruhig einsteigen, sie wisse dann ja Bescheid! Tja, liebe Bundesbahn, so geht es
auch!!!!
Am frühen Nachmittag erreichte ich dann wieder einmal mein geliebtes Hamburg.
Dort schaffte ich es doch dann tatsächlich, für den übernächsten Tag einen ICE
mit Fahrrad-stellplatz (!!!) nach Stuttgart zu ergattern. Die frühe Abfahrt um
5:30 Uhr hat mich dann nicht gestört. Ein Hotel in unmittelbarer Nähe des
Hauptbahnhofs am Steindamm war schnell gefunden. Der Steindamm ist eine der
richtig schrägen Ecken in Hamburg! Aber in jungen Jahren, Anfang 20, als ich
noch schwarze Haare hatte, hatte ich mich auch problemlos nachts mitten in New
York rumgetrieben und wurde dort für einen Puertoricaner gehalten. Heutzutage
bin ich dann eben ein grauhaariger, alter Türke oder Araber und falle in solchen
Vierteln auch nicht weiter auf :-) .
Im Hotel Residence konnte ich mein Fahrrad unterstellen und bekam
ein Zimmer nach hinten raus, sodass ich vom Lärm auf der Vorderseite an der
Hauptstraße nichts mitbekam.
18.
Tag: Sightseeing Hamburg
Am nächsten Tag ging es dann erst einmal zum
Hochbunker am Heiliggeistfeld. Dort wurde inzwischen ein Hotel eingebaut, viel
Grün angebracht und man kann außen am Bunker entlang über eine riesige Treppe
bis auf das Dach des Bunkers laufen. Von dort oben hat man eine tolle Aussicht
auf die Stadt. Anschließend ging es mal wieder ins
Miniaturwunderland, eine gigantische Modelleisenbahnanlage, die sich in einem
Gebäude der ehemaligen Speicherstadt über zwei Etagen erstreckt. Anlässlich der
Neuer-öffnung Monacos kam letztes Jahr sogar der Fürst samt Gattin und Kindern zu
Einweihung vorbei. Ich selbst fand Monaco nicht so toll. Genauso hässlich wie in
echt, also überwiegend hässliche Hochhäuser in den Berghang reingebaut. Das
schmälert die Leistung der Erbauer allerdings nicht. Man hat dort nämlich auch
gleich das Autorennen durch das Fürstentum mit installiert.
Am schönsten finde ich aber immer noch "Knittlingen", ein fiktives Städtchen, in
dem nachts regelmäßig in einem Gebäude ein Feuer ausbricht, alle Straßen
abgesperrt werden und dann Feuerwehrautos angefahren kommen und löschen und den
Flughafen mit seinem wirklich toll gemachten Flugbetrieb.
Die Stadt Hamburg müsste den Brüdern Frederik und Gerrit Braun, die das
Miniaturwunderland einst gegründet haben und betreiben für diese
Touristenattraktion Lorbeerkränze flechten!

Hochbunker
Miniaturwunderland
Hamburg Hauptbahnhof
Der Besuch des Hafens und des besten Fischlokals der Stadt, nämlich Daniel
Wischer, war obligatorisch! Den Abend ließ ich dann gemütlich an der Alster ausklingen.
19.
Tag: Hamburg - Göppingen (Zug)
Am nächsten
Morgen hieß es dann in aller Frühe und ohne Frühstück raus aus dem Hotel und ab
zum Hauptbahnhof. Die Deutsche Bahn hat mich an diesem Tag sehr überrascht! Es
geschahen doch tatsächlich Zeiten und Wunder! Ich kam ohne Probleme mit dem ICE
nach Stuttgart und von dort nach Göppingen.
Ja, und das
war sie, meine diesjährige große Tour einmal längs durch Deutschland. Zunächst
ein bisschen verregnet, aber letztlich doch sehr interessant und wunderschön.
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